Grenzenlose Seelenpfade

Das Geheimnis der drei Wiederholungen

Ist Ihnen das schon aufgefallen? Ob Werbung, Politik oder Zauberspruch: Es gibt mindestens drei Wiederholungen der wesentlichen Aussage. Doch was steckt dahinter? Mit Wiederholungen werden Kernaussagen im Gedächtnis verankert. Das hat Macht – leider nicht nur im guten Sinne, sondern auch bei bösen Absichten. Grund genug, uns das Geheimnis der Wiederholungen genauer anzuschauen.

Die Magie passiert im Kopf

Einleitend ein bisserl Wissenschaft, aber wirklich nicht viel: Auf die Psychologen Atkins und Shiffrin geht das „Dreistufen-Modell“ zurück. Dabei wandern Informationen vom flüchtigen sensorischen Gedächtnis ins Kurzzeitgedächtnis und schließlich ins Langzeitgedächtnis. Damit das passiert und es zu einer Verankerung der Information kommt, sind Wiederholungen nötig. Und was sagt uns das? Die Magie der drei Wiederholungen spielt sich im Kopf ab.

Gute und böse Zaubersprüche

Bekanntlich gibt es gute und böse Hexen. Beide setzen auf Wiederholungen. Die einen arbeiten mit drei Wiederholungen, die anderen wollen ganz sicher gehen und wiederholen ihren magischen Spruch gleich sieben Mal. Aber drei Mal würde schon reichen – ganz nach dem Motto: Drei mal schwarzer Kater.

Aber wozu sieben schwarze Katzen, wenn drei das Selbe erreichen? Gleiches gilt für die Zaubersprüche. Beispiel: Ich rufe Die guten Geister – bringt Wohlstand herbei, bringt Wohlstand herbei, bringt Wohlstand herbei. Na, woran erinnern Sie sich? An die guten Geister oder an den Wohlstand? Erwischt.

Bei Affirmationen häufen sich die Dreier

Im spirituellen Bereich gibt es Affirmationen. Das sind Glaubensthesen. Affirmationen können Gutes bewirken, wenn man sich in entscheidenden Situationen an sie erinnert. Beispiel: Es mangelt im Job an Selbstbewusstsein und man schreckt vor kniffeligen Aufgaben lieber zurück als sie beherzt anzupacken. Die Affirmation könnte lauten: Ich schaffe das, ich kann alles erreichen. Es wird empfohlen diese Affirmation 21 Tage lang (das sind drei Wochen) morgens, mittags und abends (also drei mal) bewusst und laut drei mal hintereinander zu sprechen.

Ziemlich viele Dreier in diesem Ritual. Aber wer es schon mal gemacht hat, wird feststellen: Es funktioniert. Nach dem Prozedere ist der Satz verankert und sofort parat, wenn eine kniffelige Aufgabe im Job ansteht. Das Gute: Man glaubt daran und erledigt die Aufgabe. Das ist doch wirklich eine tolle Sache und entspricht wohl dem religiösen Versprechen: Der Glaube versetzt Berge. Bitte verankern Sie jetzt nicht diesen Satz, denn die Zugspitze lässt sich nicht versetzen. Und warum nicht? Die Zugspitze ist physisch da und nicht mental.

Das katholische Schuldbekenntnis fällt auch durch drei Wiederholungen auf. Es wird in Messen gesprochen, wenn man um Vergebung für Fehler bittet. Das tut man mit dem Bekenntnis: Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld. In der Bibel werden wichtige Worte oder Sätze drei mal wiederholt. So hat Jesus drei mal Petrus gebeten: Weide meine Schafe. Generell gilt: Wenn Gott etwas drei mal sagt, dann ist es wichtig. Dabei ist Gott nicht ein einzelnes Wesen, sondern die Dreifaltigkeit (Gott Vater, Sohn Jesus, Heiliger Geist). Darauf wird im Hochamt mit der Wiederholung „heilig, heilig, heilig“ hingewiesen.

Kartenleger-Bericht: Drei mal lesen, kann helfen

Wichtiges taucht auch beim Kartenlegen mehrfach auf. Wenn ich etwas genau wissen will, lege ich nicht nur das Lenormand-Kartenbild, sondern greife auch auf andere Kartensets zurück. Wichtiges wiederholt sich in den Kartenlegungen und ich weiß: Aha, darauf sollte ich besonders hinweisen. Ich lege auch aus gutem Grund die Karten mitsamt Email-Bericht. Wer den Bericht drei mal hintereinander bewusst und laut vorliest, der erinnert sich daran, wenn eine darin erwähnte Situation auftritt. Beispiel: Im Bericht steht,  dass im Sommer eine Bekanntschaft naht, aus der eine Liebesbeziehung werden könnte. Nach drei Lese-Wiederholungen dürften die Worte Sommer und Liebe hängen geblieben sein. Kreuzt nun ein Herzblatt im Sommer auf, macht es im Gedächtnis Klick und man kann sich entscheiden, ob man die Chance ergreift oder nicht.

Übrigens: Beim Kartenlegen sagt man Ereignisse voraus, aber seriöse Kartenleger nehmen niemals die Entscheidung ab, wie sich der Mensch mit diesem Kartenbild verhält oder was er tut. Mit flapsigem Humor gesagt: Irgendwas muss derjenige ja auch noch selber tun.

Die Wiederholungen machen es beim Pauken und in der Werbung

Im Alltag begegnet man häufig Wiederholungen. So wird Schülern empfohlen, Vokabel drei mal zu wiederholen, damit die Paukerei Erfolg hat. Motivationstrainer greifen auch gerne auf drei Wiederholungen zurück. Da sollte man gut hinhören und hinschauen, ob der Trainer das im guten oder zweifelhaften Sinne macht.

Auch in der Werbung kommt es auf Wiederholungen an, damit sich der potenzielle Kunde genau an dieses Produkt erinnert. Weil ich keine Werbung machen will, ersetze ich den Produktnamen im Beispiel mit XY: Ich habe eine große Auswahl beim Fernsehen für nur 5 Euro. Mit XY ist das möglich. XY bietet über 200 Sender. Auf www.XY bekommen Sie Ihr Start-Paket. Aha! Da hat doch glatt jemand sofort gewusst, von welchem Produkt bei XY die Rede ist. Damit hat der Werbespot sein Ziel erreicht.

Hören Sie in der Politik genau hin

Auch in der Politik wird mit Wiederholungen gearbeitet. Allerdings reichen da häufig nicht mal sieben Wiederholungen aus. Politiker halt. Es ist logisch, dass Parteimitglieder darauf eingeschworen werden, die Aussage des Chefs zu vertreten. Und dann kommen Sätze zustande, die von verschiedenen Personen wiederholt werden. Man hört dann laufend Worte, wie Doppel-Wumms, Veggie-Wurst oder Technologie-Offenheit. Sie erinnern sich? Wie sollte es anders sein…

Nun will ich nicht erörtern, wie sinnvoll oder unsinnig die Veggie-Wurst ist. Das ist mir an dieser Stelle zumindest egal. Deutlich wird aber, dass dank Wiederholungen das Wort bekannt ist und auch gewusst wird, dass es dabei um eine EU-Vorschrift geht. Manchmal ist es lästig, wenn eine Botschaft verankert ist, weil sie von vielen Leuten dauernd wiederholt wird. Aber sorry, es geht noch schlimmer.

Die Reden des US-Präsidenten Trump sind lang, vieles geht durcheinander und es wimmelt von Wahrheiten, die keine Wahrheiten sind. Aber egal. Eines ist immer gleich: Die Kernaussage wird in einer einzigen Rede drei mal wiederholt. Zwar an verschiedenen Stellen, aber drei Mal. Beispiel: Wir brauchen Grönland für die nationale und internationale Sicherheit. Weiteres Beispiel: Ich habe acht Kriege beendet. Das reicht Ihnen jetzt? Danke, mir auch.

Aber warum tut er das? Er will, dass ganz bestimmte Aussagen beim Zuhörer verankert werden. So gewinnt man Zustimmung oder man arbeitet auf den Friedens-Nobelpreis hin. Letzteres führt dann zu so eigenartigen und nicht uneigennützigen Handlungen, wie einen erfundenen Friedenspreis vom Fußballverband oder die Überlassung des Friedens-Nobelpreises durch die venezolanische Preisträgerin. Solche Handlungen zeigen: Wiederholungen bewirken etwas. Egal was…

Hinterfragen Sie auch mal misstrauisch

Zu guter Letzt eine Warnung: Nicht alle Menschen, die mit Wiederholungen aufwarten, haben Gutes im Sinn. Fallen Sie also nicht darauf rein. Raffinierte Betrüger wiederholen ihr Anliegen, ihre Liebesbeteuerungen oder ihre Hochstapelei, wenn sie abkassieren wollen. Sekten wiederholen Aussagen, um Mitglieder zu ködern oder zu binden.

Cool, dass Sie bis hierhin durchgehalten haben. Hinterfragen Sie Wiederholungen. Wenn es eine gut gemeinte Wiederholung ist, dann können Sie gerne mitmachen. Aber werden Sie auch mal misstrauisch oder zumindest hellhörig.

Als Belohnung bekommen Sie jetzt eine gut gemeinte Wiederholung von mir, die Sie hoffentlich wappnet: Ich falle nicht auf jede Wiederholung rein, ich falle nicht auf jede Wiederholung rein, ich falle nicht auf jede Wiederholung rein. Text/Foto: Marion Friedl